Unser Verständnis
Freimaurerei bedeutet, das Licht der Erkenntnis für sich selbst zu suchen. Der Weg, dieses Licht zu finden, ist vielfältig. Sucht doch jeder von uns etwas anderes. Wie man diesen Weg gestalten will, ist jedem selbst überlassen. In den letzten 300 Jahren haben sich unterschiedliche Formen der Freimaurerei herausgebildet, die eines eint: die Suche nach dem Licht der Erkenntnis. Damit ist die Freimaurerei so bunt und vielfältig wie wir Menschen. Die Kunst ist es, den „richtigen“ Weg und Zugang für sich selbst zu finden.
Einige fühlen sich nur unter Geschlechtsgleichen wohl. Wieder andere wollen gemischt arbeiten. Manche sehen den Weg zur Erkenntnis in ausschweifenden Ritualerlebnissen und Zeremonien, andere suchen den intensiven Austausch über Themen. Einige suchen Struktur und Ordnung in der Loge, andere wollen den freien Austausch. Der eine sucht mehr Spiritualität, der andere laizistische Zugänge. Was ist nun der richtige Weg auf dem Weg zum „Erkenne dich selbst“?
Die Antwort ist: jeder! Als Freimaurer wissen wir, dass es nicht den einen Pfad zur Erkenntnis gibt. Der Weg ist so individuell wie jeder Mensch. Jeder muss seinen eigenen Weg finden. 1961 verfasste und unterzeichnete die Unabhängige Freimaurerloge Wien, als erster Großorient Österreichs, gemeinsam mit zehn anderen liberalen Großlogen und Orienten, unter anderem mit dem Grand Orient de France und dem Grand Orient de Belgique, den Straßburger Appell mit dem Ziel, gegenseitige Ausgrenzungen aufgrund unterschiedlicher Zugänge auf dem Weg der Selbsterkenntnis zu überwinden und eine gesamte Weltkette zu schaffen — unabhängig von den einzelnen Ansätzen und Schwerpunkten der unterschiedlichen Logen und Großlogen, im gegenseitigen Respekt.
In diesem Sinne wollen wir als Liberale Großloge von Österreich Aufklärung betreiben. Was ist Freimaurerei heute? Welche Werte und Ziele vertritt sie? Welche Formen gibt es? Was können wir als Liberale Großloge bieten?


Das Schisma von 1877 wie aus einer Weltkette zwei wurden
Was ist Freimaurerei? Diese Frage ist so alt wie die Freimaurerei selbst. Seit ihrer offiziellen Entstehung vor 300 Jahren wird darüber debattiert, was nun der richtige Weg auf dem Weg zur Selbsterkenntnis sei. Kern jeder freimaurerischen Organisation sind die sogenannten „Alten Pflichten“; sie legen die Grundregeln des Bundes fest. Wesentlich ist dabei, dass Religion und Politik nicht Teil der Logenarbeit sind, sondern ureigene Angelegenheiten jedes Einzelnen. Die Freimaurerei ist weder eine Religion, die missioniert, noch eine politische Bewegung, die indoktriniert. Dennoch will sie die Welt durch Selbsterkenntnis und Arbeit an sich selbst mitgestalten.
Zwei Kernfragen haben die ehemalige Weltkette in zwei Teile gespalten: die Frage, ob ein Buch der Offenbarung als Ritualgegenstand vorhanden sein muss, ob jeder Bruder und jede Schwester an ein „höheres Wesen“ glauben muss, und die Frage, ob auch Frauen überhaupt in den Bund eingeweiht werden dürfen.
1877 teilte sich die Freimaurerei in den englischen Zweig, welcher „Buch der Offenbarung“, Glauben an ein höheres Wesen und die Beschränkung auf Männer weiter pflegt, und den liberalen Zweig, welcher weder ein Buch der Offenbarung noch den Glauben an ein höheres Wesen vorschreibt und Frauen aufnimmt. Die Hand der liberalen Kette ist weiter ausgestreckt; die Geschwister der liberalen Freimaurerei erkennen ihre rein männlichen Brüder an. Umgekehrt ist es komplexer. Organisationen wie CLIPSAS wurden ursprünglich gegründet, um aus diesen beiden Weltketten unter Achtung der unterschiedlichen Zugänge auf dem Weg der Selbsterkenntnis wieder eine Weltkette zu formen.
Englisches System der Freimaurerei
Die von England und der UGLE ausgehende Freimaurerei besteht aus einer Kette der Anerkennung mit der United Grand Lodge of England (UGLE) als faktischer Spitze. Kennzeichnend ist, dass nur Männer aufgenommen werden, ein Buch der Offenbarung Teil des Rituals ist und keine politische Diskussion in der Loge erlaubt ist (Basic Principles der UGLE). Weiters wird im Regelfall nur eine Großloge pro Land anerkannt.
Alle anderen Logen und Großlogen werden von der von England ausgehenden Freimaurerei, ungeachtet ihrer inhaltlichen Qualität und Arbeitsweise, als „irregulär“ bezeichnet. Logen und Großlogen, die direkt oder indirekt von der UGLE anerkannt werden, bezeichnen sich selbst als „regulär“.
Liberale Freimaurerei
Ausgehend vom Grand Orient de France hat sich der liberale Zweig der Freimaurerei entwickelt. Dieser hat keine „Spitze“, sondern ist durch „Freundschaftsverträge“ und internationale Organisationen wie CLIPSAS auf Augenhöhe miteinander verbunden. Kern des liberalen Zweiges ist die „absolute Glaubens- und Gewissensfreiheit“. Daher muss weder ein Buch der Offenbarung Teil des Rituals sein, noch wird der Glaube an ein höheres Wesen vorgeschrieben.
Es werden sowohl reine Männer-, Frauen- als auch gemischte Logen akzeptiert. Auch wird die politische Diskussion in einigen Logen beziehungsweise Großlogen gepflegt — nicht als politische Partei, sondern als "Thinktank", als Wertegemeinschaft im Sinne der Aufklärung. Begriffe wie „Regularität“ werden nicht verwendet.“
Die Liberale Großloge von Österreich
Die Liberale Großloge von Österreich (LGL) und ihre Logen gehören dem liberalen Zweig der Freimaurerei an. Innerhalb der LGL gibt es ebenfalls unterschiedliche Arbeitsweisen (Rituale) in den Logen, die gegenseitig respektiert werden. Weiters besteht die Liberale Großloge nur aus gemischten Logen. Eine Akzeptanz für reine Frauen- oder Männerlogen ist allerdings gegeben, auch wenn dies nicht der eigenen Tradition entspricht.
Als Großloge steht die Liberale Großloge für die Verbindung von bewährten Traditionen mit modernen Ansprüchen und Herausforderungen. Das Selbstverständnis ist es, die eigene Entwicklung eines jeden Geschwisters in den Logen zu ermöglichen.
Die eigentliche inhaltliche Arbeit findet in den Logen und bei jedem Geschwister an sich selbst statt.
Die Logen der LGL pflegen eine starke Autonomie und setzen bei ihrer Arbeit unterschiedliche Schwerpunkte und Akzente in Bezug auf Ritual und Inhalt.


Freimaurerei heute in Österreich - FAQ zur modernen Freimaurerei
Freimaurerei heute bedeutet für viele Menschen vor allem eines: Arbeit an sich selbst, Austausch mit anderen und die Suche nach Erkenntnis. In Österreich gibt es unterschiedliche freimaurerische Richtungen und Logen. Diese FAQ beantwortet die wichtigsten Fragen zu moderner Freimaurerei, zu liberaler Freimaurerei und zur Liberalen Großloge von Österreich.
Was ist Freimaurerei heute?
Freimaurerei heute ist eine Gemeinschaft von Menschen, die an ihrer eigenen Entwicklung arbeiten wollen. Im Mittelpunkt stehen Selbsterkenntnis, ethisches Handeln, persönliches Wachstum, Verantwortung und der respektvolle Austausch mit anderen. Moderne Freimaurerei verbindet Tradition mit den Fragen und Herausforderungen der Gegenwart.
Wer sind Freimaurer heute?
Freimaurer heute sind Menschen mit unterschiedlichen Lebenswegen, Berufen, Bildungswegen, Weltanschauungen und Erfahrungen. In der Loge begegnen sich Menschen jeden Alters und mit ganz verschiedenen Interessen und Vorstellungen — auf der Wasserwaage, als Gleiche unter Gleichen. Nicht Herkunft, Stand oder ein bestimmtes Milieu verbinden sie, sondern der gemeinsame Wille, an sich selbst zu arbeiten, voneinander zu lernen und Werte wie Humanität, Toleranz und Gewissensfreiheit ernst zu nehmen. Gerade das macht Freimaurerei heute so wertvoll: In einer Zeit, in der viele Menschen nur noch in ihren eigenen sozialen, politischen oder digitalen Räumen leben, schafft die Loge einen Ort echter Begegnung über Unterschiede hinweg. Aus verschiedenen Blickwinkeln entsteht nicht Trennung, sondern Erkenntnis, Tiefe und persönliches Wachstum.
Was bedeutet Freimaurerei heute in Österreich?
Freimaurerei heute in Österreich ist vielfältig. Es gibt unterschiedliche Großlogen, Logen, Traditionen und Zugänge. Manche legen mehr Gewicht auf Ritual und Symbolik, andere stärker auf philosophische, ethische oder gesellschaftliche Fragen. So wie Menschen heute sehr unterschiedlich leben, denken und Sinn suchen, gibt es auch in der Freimaurerei nicht nur einen einzigen Zugang. Während die moderne Welt oft von Tempo, Oberflächlichkeit und permanenter Reizüberflutung geprägt ist, suchen viele Menschen bewusst nach einem Weg, der zu mehr Tiefe, Orientierung und innerer Entwicklung führt. Wer sich für Freimaurerei in Österreich interessiert, sollte deshalb nicht nur fragen, ob Freimaurerei grundsätzlich passt, sondern auch, welche Loge, welche Großloge und welcher Zugang zum eigenen Weg passen. Zur ersten Orientierung haben wir auch die anderen Großlogen in Österreich unter unseren Links angeführt.
Was ist der Unterschied zwischen liberaler und anderer Freimaurerei?
Ein zentraler Unterschied liegt im Verständnis von Gewissensfreiheit, Aufnahme und Ritual. Die liberale Freimaurerei schreibt keinen einheitlichen Glauben vor und lässt unterschiedliche Zugänge zur freimaurerischen Arbeit zu. Sie versteht Freimaurerei als offenen Weg der Selbsterkenntnis, der von verschiedenen Menschen auf unterschiedliche Weise gegangen werden kann.
Muss man an Gott glauben, um Freimaurer zu werden?
In der liberalen Freimaurerei ist der Glaube an ein höheres Wesen keine Voraussetzung. Entscheidend ist nicht ein vorgeschriebenes Bekenntnis, sondern die ernsthafte Bereitschaft zur Arbeit an sich selbst, zur ethischen Entwicklung und zum respektvollen Umgang mit anderen Menschen.

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Können Frauen Freimaurerinnen werden?
Ja. In der liberalen Freimaurerei können Frauen, Männer und gemischte Gruppen Teil der freimaurerischen Arbeit sein. Die Frage, wer aufgenommen wird, wird in der liberalen Freimaurerei offener beantwortet als in manchen anderen Traditionen. Maßgeblich ist nicht das Geschlecht, sondern die Eignung und innere Haltung eines Menschen.
Ist Freimaurerei eine Religion?
Nein. Freimaurerei ist keine Religion und will keine Religion ersetzen. Sie gibt keine Heilslehre vor und missioniert nicht. Freimaurerei ist vielmehr ein ethischer und symbolischer Weg der Persönlichkeitsbildung, der Menschen mit unterschiedlichen religiösen oder nichtreligiösen Überzeugungen offenstehen kann.
Ist Freimaurerei politisch?
Freimaurerei ist keine politische Partei und keine ideologische Bewegung. Zugleich bedeutet Arbeit an sich selbst nicht Gleichgültigkeit gegenüber der Welt. In manchen liberalen Logen gibt es Raum für gesellschaftliche, ethische und politische Fragen im Sinne von Aufklärung, Verantwortung und reflektiertem Denken, nicht im Sinne parteipolitischer Bindung.
Was passiert in einer Freimaurerloge heute?
Eine Loge ist ein geschützter Raum, ein „Safe Space“, für Ritual, Austausch, Reflexion und gemeinsame Arbeit. In einer Welt von Dauerreizen, schnellen Urteilen und oberflächlicher Kommunikation schafft sie einen Ort der Ruhe, der Tiefe und des respektvollen Dialogs. Je nach Loge können Rituale, Vorträge, Gespräche, symbolische Arbeit und gemeinsame Projekte unterschiedlich stark im Vordergrund stehen. Manche Menschen suchen eher das Ritualerlebnis, andere mehr den inhaltlichen Austausch. Beides kann Teil moderner Freimaurerei sein. Der Auftrag der Loge ist es, die persönliche Entwicklung des einzelnen Geschwisters zu fördern, Selbsterkenntnis zu ermöglichen und aus dieser inneren Arbeit heraus Verantwortung für Mitmenschlichkeit und Aufklärung zu stärken.
Ist Freimaurerei geheim?
Freimaurerei ist kein Geheimbund im populären Sinn. Viele Grundsätze, Werte und Ziele sind öffentlich. Vertraulich ist vor allem der persönliche Raum der Loge, damit Vertrauen, Offenheit und innere Arbeit möglich werden. Die Loge ist ein sicherer Ort für freien Gedankenaustausch — fern von sozialem Druck, öffentlicher Inszenierung und der Schnelllebigkeit von Instagram, TikTok und ähnlichen Medien. Es geht daher eher um Verschwiegenheit und Respekt als um Geheimhaltung im sensationellen Sinn.
Wie wird man Freimaurer oder Freimaurerin in Österreich?
Wer Freimaurer oder Freimaurerin in Österreich werden möchte, beginnt in der Regel mit einer Kontaktaufnahme. Danach folgen Gespräche, gegenseitiges Kennenlernen und die Frage, welche Loge inhaltlich und menschlich passt. Die Liberale Großloge von Österreich organisiert dafür unterschiedliche Formen des Kennenlernens, weil nicht jeder Mensch denselben Zugang sucht und nicht jede Begegnung auf dieselbe Weise entsteht.
Ein besonderer Vorteil der LGL liegt darin, dass wir offen sprechen und dem persönlichen Austausch großen Wert beimessen. Ein starrer Fahrplan würde dem Wesen einer diskreten Gesellschaft nicht entsprechen. Der Weg in die Freimaurerei ist daher kein standardisiertes Schnellverfahren, sondern ein bewusster und persönlicher Schritt, der Vertrauen, Ernsthaftigkeit und menschliche Passung voraussetzt. Hier kommen Sie zu unserem Kontaktformular.


Was bietet die Liberale Großloge von Österreich?
Die Liberale Großloge von Österreich steht für moderne, pluralistische und liberale Freimaurerei. Sie verbindet bewährte Tradition mit Offenheit für die Fragen und Herausforderungen der Gegenwart, respektiert unterschiedliche Rituale und Arbeitsweisen ihrer Logen und sieht die persönliche Glaubens- und Gewissensfreiheit als Kern ihrer freimaurerischen Haltung. Ziel ist es, Menschen auf ihrem individuellen Weg der Erkenntnis und Entwicklung zu begleiten.
Gerade in einer Welt, die von Beschleunigung, Reizüberflutung, sozialem Druck und immer stärkeren Gegensätzen geprägt ist, bietet die Liberale Großloge einen Rahmen für Tiefe, Besinnung und echten Dialog. Sie schafft Raum für Menschen, die nicht bei Oberflächen, Schlagworten oder vorgefertigten Meinungen stehen bleiben wollen, sondern nach Orientierung, innerer Entwicklung und verantwortungsbewusstem Handeln suchen. Die Liberale Großloge von Österreich versteht Freimaurerei daher als zeitgemäßen Weg, Tradition und modernes Denken miteinander zu verbinden und dem einzelnen Menschen ebenso wie der Gemeinschaft einen Ort des Wachstums, der Reflexion und der Humanität zu bieten.
Für wen ist die liberale Freimaurerei geeignet?
Die liberale Freimaurerei ist besonders für Menschen geeignet, die eigenständig denken, Verantwortung für sich selbst übernehmen und ihren Weg der Erkenntnis nicht in einem starren System suchen. Wer Offenheit, Humanität, Toleranz und Gewissensfreiheit schätzt, findet hier einen Zugang, der moderne Ansprüche mit freimaurerischer Tradition verbindet.
Sie ist besonders für Menschen geeignet, die in der heutigen Welt bewusst nach Tiefe statt Oberflächlichkeit, nach Orientierung statt bloßer Meinung und nach echtem Austausch statt schneller Bewertung suchen. In einer Zeit, in der viele Lebensbereiche von Tempo, Selbstinszenierung und Polarisierung geprägt sind, bietet die liberale Freimaurerei einen anderen Weg: einen Weg der inneren Arbeit, des respektvollen Zuhörens und des Denkens über die eigene Person und die Welt. Sie spricht daher Menschen an, die Unterschiede nicht als Bedrohung, sondern als Chance zur Erkenntnis verstehen und die bereit sind, an sich selbst zu arbeiten, um dadurch auch ihr Verhältnis zu anderen Menschen und zur Gesellschaft bewusster zu gestalten.
Warum suchen Menschen nach „Freimaurerei heute“ oder „Freimaurer heute“?
Weil viele Menschen wissen möchten, was Freimaurerei heute tatsächlich ist und wie sie heute gelebt wird. Sie suchen keine Mythen, sondern Orientierung: Welche Werte gelten? Wer kann mitmachen? Wie arbeiten Logen? Welche Formen gibt es in Österreich? Genau diese Fragen beantwortet moderne freimaurerische Aufklärung.
Hinzu kommt, dass viele Menschen spüren, dass die moderne Welt zwar immer vernetzter, aber nicht unbedingt tiefer oder menschlicher geworden ist. Zwischen digitaler Dauerpräsenz, schnellen Urteilen, öffentlicher Selbstdarstellung und gesellschaftischer Polarisierung wächst das Bedürfnis nach echten Räumen für Besinnung, Werte, Gespräch und persönliche Entwicklung. Wer nach „Freimaurerei heute“ oder „Freimaurer heute“ sucht, sucht deshalb oft nicht nur Information, sondern auch eine Antwort auf die Frage, ob es in unserer Zeit noch Orte gibt, an denen Humanität, Gewissensfreiheit, Selbstprüfung und respektvoller Austausch tatsächlich gelebt werden. Genau darin liegt die Aktualität moderner Freimaurerei.

